Der Moment, in dem Biologika ins Gespräch kommen
Wenn die klassischen Behandlungswege ausgeschöpft sind und die nächste Sprechstunde ein neues Vokabular mitbringt
Für die meisten HS-Betroffenen ist die Diagnose Akne Inversa nicht der Anfang eines geradlinigen Behandlungspfads, sondern der Anfang eines langen Suchprozesses. Nach den ersten Antibiotika-Kuren mit Doxycyclin oder Minocyclin, nach den ersten lokalen Behandlungen mit Clindamycin-Lösungen oder Isotretinoin-Salben, nach den ersten kleineren operativen Eingriffen zur Fistel-Sanierung kommt oft der Punkt, an dem der behandelnde Dermatologe oder die Hautärztin den Kopf schräg legt und sagt, dass die konventionellen Wege bei Deiner Krankheitsdynamik nicht mehr ausreichen und man über die nächste Eskalationsstufe nachdenken müsse.
Diese Eskalationsstufe heißt in der modernen Dermatologie Systemtherapie mit Biologika, und die beiden Präparate, die in Deutschland aktuell explizit für die Behandlung der mittelschweren bis schweren Akne Inversa zugelassen sind, heißen Humira und Cosentyx. Humira ist der Handelsname für Adalimumab, das Medikament ist seit dem Jahr 2015 für die HS-Indikation zugelassen und war fast ein Jahrzehnt lang das einzige Biologikum überhaupt, das speziell für unsere Erkrankung studiert und freigegeben worden war. Cosentyx trägt den Wirkstoff Secukinumab, wurde in der Europäischen Union im November 2023 für die HS-Behandlung zugelassen und hat damit erstmals eine zweite Wirkstoffklasse mit anderer molekularer Angriffsstelle in das Therapiespektrum gebracht.
Wenn Du gerade in dieser Situation bist, in der die Sprechstunde ein neues Vokabular mitbringt und in der plötzlich Worte wie TNF-Alpha-Blocker und Interleukin-17-Hemmer im Raum stehen, dann geht es Dir wahrscheinlich wie mir vor einigen Jahren — mit einer Mischung aus Hoffnung auf endlich etwas, das richtig wirkt, und einer diffusen Angst vor der Größe des Schritts, den Du gerade zu gehen im Begriff bist. Diese Seite soll Dir helfen, den Schritt informiert zu gehen, wenn Du ihn gehen möchtest, und ebenso informiert nicht zu gehen, wenn Du zu dem Schluss kommst, dass er für Dich nicht der richtige ist. Ich schreibe aus doppelter Perspektive: als Betroffener, der Secukinumab genommen hat und bei dem die geplante Adalimumab-Therapie kurz vor dem Start nicht mehr zustande gekommen ist, und als jemand, der heute in Remission ist ohne jedes Biologikum.
Bevor wir tiefer in die medizinischen Details einsteigen, das übliche und wichtige Wort vorweg: Ich bin kein Arzt und kein Apotheker. Ich bin ein Betroffener mit Akne Inversa seit 2018, mit einem sehr persönlichen Erfahrungsweg mit beiden Substanzen und mit dem Anspruch, das, was ich hier schreibe, belastbar und quellennah zu machen. Für jede konkrete Therapieentscheidung ist Dein behandelnder Dermatologe die einzig richtige Adresse. Was Du auf dieser Seite bekommst, ist die Landkarte aus Betroffenensicht — und die Sätze, die ich mir selbst gewünscht hätte, bevor mein erstes Rezept ausgestellt wurde.
Was Biologika überhaupt sind
Von Antikörpern, Entzündungsbotenstoffen und der Idee, das Immunsystem an einer sehr bestimmten Stelle zu bremsen
Um zu verstehen, was Humira und Cosentyx im Körper tatsächlich tun, hilft ein kurzer Blick auf das Prinzip Biologika insgesamt. Anders als klassische Medikamente, die als kleine Moleküle chemisch synthetisiert werden, sind Biologika große Eiweißmoleküle — meist Antikörper —, die biotechnologisch in speziellen Zellkulturen hergestellt werden. Ihre Aufgabe ist es, sich sehr präzise an einen einzigen körpereigenen Botenstoff des Immunsystems zu binden und dessen Wirkung zu neutralisieren. Das Immunsystem wird dadurch nicht abgeschaltet, wie es alte Vorurteile über Biologika manchmal nahelegen, sondern an einer sehr bestimmten Stelle im Entzündungskreislauf gebremst.
Bei Humira ist diese Stelle der Botenstoff TNF-Alpha, der Tumor-Nekrose-Faktor Alpha. TNF-Alpha ist einer der zentralen Entzündungsverstärker im menschlichen Körper und spielt eine Rolle bei einer ganzen Familie chronisch-entzündlicher Erkrankungen — von der rheumatoiden Arthritis über die Schuppenflechte bis eben zur Akne Inversa. Adalimumab, der Wirkstoff in Humira, bindet TNF-Alpha im Blut ab, bevor es seine entzündungsverstärkende Wirkung entfalten kann. In der Praxis beruhigt das die überschießende Entzündungsreaktion im Talgdrüsen-Haartrichter-System, das bei HS die eigentliche Fehlfunktionszone ist.
Bei Cosentyx ist die Angriffsstelle eine andere. Der Wirkstoff Secukinumab bindet nicht TNF-Alpha, sondern das Interleukin-17A, einen weiteren zentralen Entzündungsbotenstoff, der in der Forschung der letzten Jahre als besonders relevant für die Akne Inversa erkannt worden ist. Interleukin-17A wird vor allem von einer bestimmten Sorte T-Zellen produziert, den sogenannten Th17-Zellen, und seine Blockade unterbricht eine andere Achse des Entzündungssystems als der TNF-Alpha-Weg. Für Dich als Patienten hat das eine sehr praktische Konsequenz: Wenn Du auf einen der beiden Wirkstoffe nicht ansprichst, sagt das nichts über Dein Ansprechen auf den anderen aus, weil sie an biologisch unterschiedlichen Stellen greifen.
Neben Humira und Cosentyx gibt es noch weitere Biologika, die in klinischen Studien für die HS-Behandlung geprüft werden oder als Off-Label-Optionen in schweren Fällen zum Einsatz kommen. Bimekizumab mit dem Handelsnamen Bimzelx ist ein neuerer IL-17-Hemmer, der sowohl IL-17A als auch IL-17F blockiert und in den Studien BE HEARD I und II bei HS deutlich vielversprechende Wirkungsraten gezeigt hat. Infliximab mit dem Handelsnamen Remicade ist ein weiterer TNF-Alpha-Blocker, der in Deutschland aber nicht offiziell für HS zugelassen ist und deshalb nur in Härtefall-Konstellationen mit gesonderter Kostenübernahme eingesetzt wird. Für die überwiegende Mehrheit der HS-Patienten in Deutschland sind aktuell aber Humira und Cosentyx die beiden Optionen, die in der Regelversorgung ankommen.
Humira — der Klassiker seit 2015
Wie Adalimumab funktioniert, was die Zulassungsstudien wirklich gezeigt haben und wie realistisch die Zahlen im Alltag sind
Humira wurde 2015 als erstes Biologikum überhaupt für die Behandlung der mittelschweren bis schweren Akne Inversa zugelassen — auf Basis der beiden großen Zulassungsstudien mit den Namen PIONEER I und PIONEER II. In diesen Studien wurden insgesamt gut sechshundert HS-Patientinnen und -Patienten mit einer standardisierten Adalimumab-Dosis behandelt und mit einer Placebo-Gruppe verglichen. Das vorrangige Erfolgskriterium war das sogenannte HiSCR-50-Ansprechen — Hidradenitis Suppurativa Clinical Response 50 —, also mindestens eine Halbierung der entzündlichen Knoten und Abszesse nach zwölf Wochen, ohne gleichzeitige Zunahme von Fisteln.
Die Ergebnisse waren nach damaligen Maßstäben eindeutig positiv: In PIONEER I erreichten rund 42 Prozent der Behandelten das HiSCR-50-Ziel, in PIONEER II waren es rund 59 Prozent, gegenüber 26 beziehungsweise 27 Prozent in den Placebo-Gruppen. Diese Zahlen haben die Zulassung getragen und Humira zum ersten in der Praxis breit eingesetzten Biologikum für Akne Inversa gemacht. Wenn Du sie richtig liest, sagen sie aber auch etwas anderes: In der besseren der beiden Studien haben rund vier von zehn Patienten nach zwölf Wochen konsequenter Anwendung nicht das definierte Ansprechen erreicht — sie waren die Non-Responder, die in der klinischen Praxis oft ratlos zurückgelassen werden.
Die praktische Anwendung von Humira sieht so aus, dass Du in der ersten Woche eine Aufsättigungsdosis von 160 Milligramm bekommst — meist als vier Einzelspritzen an einem Tag oder als zwei Doppeldosen an einem Tag. In der zweiten Woche folgt eine Zwischendosis von 80 Milligramm, ab der vierten Woche geht die Therapie in die Erhaltungsphase mit 40 Milligramm wöchentlich über. Die Spritzen werden unter die Haut gesetzt, meist am Oberschenkel oder Bauch, und Du wirst nach einer Einweisung durch Deinen Dermatologen oder eine spezialisierte Fachpflegekraft in aller Regel selbstständig zuhause spritzen. Der Fertigpen mit vorgefüllter Dosis nimmt Dir dabei den Umgang mit der Nadel als solches ab.
Wenn Humira bei Dir wirkt, wirst Du das an einer Reihe konkreter Veränderungen merken: die Häufigkeit der Schübe sinkt spürbar, neue Knoten treten seltener auf, bestehende Fisteln sekretieren weniger oder schließen sich, und der chronische Ruheschmerz in den betroffenen Arealen wird deutlich weniger. Wenn Du dagegen zu den Non-Respondern gehörst, wirst Du nach acht bis zwölf Wochen mit einer sehr nüchternen Erkenntnis konfrontiert: dass sich außer den Nebenwirkungen der Injektionen selbst und vielleicht ein paar Infekten der oberen Atemwege nichts wesentlich geändert hat. In beiden Fällen ist das ein wichtiges Signal — im ersten für die Fortsetzung, im zweiten für den Wechsel oder den Ausstieg.
Cosentyx — der Neuling seit November 2023
Wie Secukinumab funktioniert und was die SUNSHINE- und SUNRISE-Studien für Deine Entscheidung bedeuten
Fast acht Jahre lang war Humira das einzige speziell für die Akne Inversa zugelassene Biologikum in Deutschland — mit allen Konsequenzen, die eine Alleinstellung mit sich bringt: keine Alternative bei Non-Response, keine Vergleichsdaten aus Kopf-an-Kopf-Studien, keine wirklich substanzielle Konkurrenz im Preis. Das änderte sich im November 2023, als die Europäische Arzneimittelagentur EMA das Präparat Cosentyx mit dem Wirkstoff Secukinumab für die Behandlung mittelschwerer bis schwerer HS zuließ. Grundlage der Zulassung waren die beiden großen Studien SUNSHINE und SUNRISE, in denen jeweils rund vierhundert HS-Betroffene behandelt und mit Placebo verglichen wurden.
Die Zahlen aus diesen Studien liegen in einem ähnlichen Bereich wie bei Humira, wenn auch mit einer etwas anderen Verteilung. Rund 45 bis 47 Prozent der Secukinumab-Patienten erreichten nach 16 Wochen das HiSCR-50-Ansprechen, in den Placebo-Gruppen waren es rund 34 Prozent. Der Unterschied zur Placebo-Gruppe ist damit etwas geringer als in den PIONEER-Studien, was aber auch daran liegt, dass der Placebo-Effekt in der modernen HS-Forschung höher ausfällt als vor zehn Jahren, unter anderem weil die begleitende Standardtherapie mittlerweile besser ist. Für Dich als Patient ist relevant, dass Cosentyx eine statistisch klar überlegene Wirksamkeit gegenüber Placebo zeigt und für viele Betroffene, bei denen Humira nicht angeschlagen hat, eine echte zweite Chance darstellt.
Praktisch wird Cosentyx anders dosiert als Humira. In der Aufsättigungsphase bekommst Du 300 Milligramm wöchentlich für fünf Wochen, danach wechselst Du in die Erhaltungstherapie mit 300 Milligramm alle vier Wochen — das ist ein deutlich seltenerer Rhythmus als die wöchentliche Humira-Spritze, was für viele Betroffene den Alltag erleichtert. Die Injektionen werden wie bei Humira subkutan gesetzt, meist als Fertigpen oder Fertigspritze, und können nach Einweisung selbstständig verabreicht werden. Die Aufsättigungsphase mit den fünf wöchentlichen Injektionen ist der Punkt, an dem die Therapie in Fahrt kommt — hier ist Konsequenz besonders wichtig, weil ein Auslassen einzelner Dosen die Wirkstoffspiegel nachhaltig stört.
Wichtig für die Entscheidung Humira oder Cosentyx ist, dass es nicht die eine richtige Antwort gibt. Beide Wirkstoffe haben ihre Berechtigung, beide zeigen in großen Kollektiven ähnliche Ansprechraten, beide bringen unterschiedliche Nebenwirkungsprofile mit. In den Behandlungsleitlinien wird zunehmend empfohlen, den Wirkstoff nach dem individuellen Nebenwirkungsprofil, nach Begleiterkrankungen und nach Präferenzen des Patienten für den Injektionsrhythmus auszuwählen. Wer ein hohes Risiko für Pilzinfektionen oder eine begleitende chronisch-entzündliche Darmerkrankung hat, wird eher zu Humira greifen. Wer eine latente TB in der Vorgeschichte hat oder besondere Bedenken gegenüber TNF-Alpha-Blockern hegt, wird eher zu Cosentyx wechseln.
Wie eine Biologika-Therapie tatsächlich abläuft
Von der Erstberatung über das Screening bis zur ersten Spritze — was in den ersten Wochen wirklich passiert
Wenn Dein Dermatologe die Empfehlung für eine Biologika-Therapie ausspricht, folgt selten sofort die erste Spritze. Zwischen der Entscheidung und dem Therapiestart liegen üblicherweise mehrere Wochen an Vorbereitungsschritten, die sowohl medizinisch als auch verwaltungsseitig notwendig sind. Der medizinische Teil beginnt mit einer sogenannten Screening-Runde, in der Deine Eignung für die Immunmodulation geprüft wird. Dazu gehören ein Tuberkulose-Test (heute meist per Interferon-Gamma-Bluttest wie Quantiferon oder T-Spot statt des früher üblichen Hauttests nach Mendel-Mantoux), eine Hepatitis-B- und C-Serologie, ein HIV-Test, ein großes Blutbild inklusive Nieren- und Leberwerten sowie ein Röntgenbild des Brustraums.
Zusätzlich wird Dein Impfstatus überprüft und gegebenenfalls aktualisiert. Lebendimpfungen sind unter laufender Biologika-Therapie kontraindiziert, weshalb fehlende Impfungen gegen Windpocken, Masern-Mumps-Röteln oder Gelbfieber vor Therapiebeginn nachgeholt werden sollten. Die jährliche Grippeimpfung und die Pneumokokken-Impfung werden aktiv empfohlen, weil Biologika das Risiko für schwere Verläufe bei diesen Infekten leicht erhöhen. Bei Frauen im gebärfähigen Alter wird die aktuelle Verhütung angesprochen — eine Schwangerschaft unter Biologika-Therapie ist nicht ausgeschlossen, muss aber sehr sorgfältig begleitet werden.
Parallel zum medizinischen Screening läuft die Kostenklärung mit Deiner Krankenkasse. Weil Biologika zu den teuersten Medikamenten im Erstattungssystem gehören, verlangen die Kassen üblicherweise einen Nachweis, dass mindestens eine konventionelle Systemtherapie über drei Monate nicht ausreichend gewirkt hat. Diese Vortherapie-Dokumentation wird von Deinem Dermatologen zusammengestellt und ist in der Regel unproblematisch, weil bei Betroffenen mit mittelschwerer bis schwerer HS diese Vortherapien fast immer schon stattgefunden haben. In einigen Fällen wird zusätzlich ein sogenanntes Kostenübernahme-Verfahren nach Paragraf 12 SGB V eingeleitet, das ein paar Wochen dauern kann, an dessen Ende aber praktisch immer die Bewilligung steht.
Wenn alle Screenings unauffällig sind und die Kostenübernahme geklärt ist, bekommst Du in der Praxis Deines Dermatologen oder in einer spezialisierten Klinik eine ausführliche Einweisung in die Handhabung des Fertigpens. Die erste Aufsättigungsdosis wird meist unter Aufsicht gesetzt, weil in seltenen Fällen unmittelbare Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten können. Danach fährst Du mit den Fertigpens nach Hause, hältst sie im Kühlschrank bei zwei bis acht Grad und lässt sie jeweils rund zwanzig Minuten vor der Anwendung auf Raumtemperatur kommen, weil die Injektion sonst schmerzhafter ist. Die eigentliche Spritze dauert wenige Sekunden, hinterlässt oft einen leichten Bluterguss oder eine kleine Rötung und wird bei den meisten Betroffenen mit der Zeit zur Routine.
Was die Studien wirklich sagen
HiSCR-50 als heilige Zahl, aber die Realität dahinter ist vielschichtiger
In fast jedem seriösen Text zu Biologika bei Akne Inversa taucht der Begriff HiSCR-50 auf, und wenn Du das erste Mal darüber stolperst, klingt er wie eine sehr abstrakte Kennzahl. Dahinter steckt eine recht praktikable Definition: HiSCR-50 bedeutet, dass die Anzahl entzündlicher Läsionen — also Abszesse und Knoten — im Vergleich zum Ausgangswert um mindestens 50 Prozent gesunken ist, ohne dass gleichzeitig neue Fisteln entstanden sind. Ein HiSCR-50-Responder hat also nach zwölf oder sechzehn Wochen konsequenter Therapie mindestens halb so viele aktive Entzündungsherde wie zu Beginn, bei gleichzeitig stabiler Fistelsituation.
Das ist eine sinnvolle Zielgröße für die Zulassungsstudien, weil sie einen relativ objektiven, klinisch erhebbaren Endpunkt darstellt. Für Deine persönliche Beurteilung, ob eine Therapie bei Dir angeschlagen hat, ist HiSCR-50 aber nur die halbe Geschichte. Was für Dich im Alltag genauso wichtig ist: Wie stark sind die Ruheschmerzen im Vergleich zu vor der Therapie? Wie oft musst Du krankgeschrieben werden? Wie viele Nächte pro Woche schläfst Du nicht durch, weil die Wunden sekretieren? Wie oft musst Du soziale Termine wegen eines akuten Schubs absagen? Diese sogenannten Patient-reported Outcomes sind in den neueren Studien zunehmend mit erfasst worden, in der klinischen Praxis werden sie leider immer noch selten systematisch dokumentiert.
Wichtig ist außerdem der Blick auf die höhere Latte. Ein HiSCR-75-Ansprechen — also eine Reduktion um drei Viertel — wird in den Studien nur von rund 30 Prozent der Behandelten erreicht. Ein HiSCR-90-Ansprechen — also praktisch der symptomfreie Zustand — ist mit Biologika allein nur in einer Minderheit erreichbar, in der Größenordnung von 15 bis 20 Prozent der Kollektive. Das heißt: Selbst wenn Du auf Humira oder Cosentyx ansprichst, ist die realistische Erwartung eine spürbare Besserung Deiner Situation, nicht die komplette Symptomfreiheit. Wer diese Erwartungshaltung von Anfang an mitbringt, geht mit der Therapie ehrlicher um und riskiert weniger, sie später aus Enttäuschung abzubrechen.
Für die Beurteilung der Studien hilft es außerdem, sich einige methodische Details bewusst zu machen. Die Zulassungsstudien laufen üblicherweise über zwölf bis sechzehn Wochen — das ist ein kurzer Zeitraum für eine chronische Erkrankung, die viele Betroffene über Jahrzehnte begleitet. Über die Langzeitwirksamkeit unter kontinuierlicher Therapie über zwei, fünf oder zehn Jahre gibt es deutlich weniger belastbare Daten. Was in Verlaufsstudien und Registern sichtbar wird, ist eine schrittweise Abnahme der Wirksamkeit bei einem Teil der Behandelten — ein Phänomen, das in der Fachsprache als sekundäres Therapieversagen bezeichnet wird und häufiger auftritt als in der ursprünglichen Zulassungsdokumentation kommuniziert.
Nebenwirkungen ehrlich betrachtet
Was in der Fachinformation steht, was in der Sprechstunde landet und was in der Praxis wirklich auftritt
Zu den ehrlichen Themen rund um Biologika gehört das Nebenwirkungsprofil, und ehrlich heißt hier weder Panik noch Verharmlosung. Beide Wirkstoffgruppen sind unter dermatologischer Systemtherapie vergleichsweise gut verträglich, was in Relation zu älteren Immunsuppressiva wie systemischem Kortison oder Cyclosporin eine deutliche Verbesserung darstellt. Trotzdem greifen sie in ein zentrales körperliches Regulationssystem ein, und das hat Konsequenzen, die Du kennen solltest, bevor Du anfängst.
Bei Humira sind die häufigsten unerwünschten Wirkungen lokale Reaktionen an der Einstichstelle mit Rötung, Schwellung oder leichtem Juckreiz — das trifft rund 15 bis 20 Prozent der Anwender, ist in aller Regel harmlos und bessert sich meist im Verlauf der ersten Wochen. Häufig sind außerdem Infekte der oberen Atemwege wie Erkältungen und leichte Bronchitiden, die aber nicht substantiell schwerer verlaufen als bei Nicht-Behandelten. Kopfschmerzen und ein diffuses Fatigue-Gefühl treten in den ersten Wochen bei einem Teil der Betroffenen auf. Ernsthafter, aber selten sind die Reaktivierung einer latenten Tuberkulose (deshalb der verpflichtende TB-Test vor Beginn), das erhöhte Risiko für opportunistische Infektionen und in sehr seltenen Fällen die Entwicklung eines paradoxen Psoriasis-Schubs oder einer neu aufgetretenen entzündlichen Darmerkrankung.
Bei Cosentyx sieht das Profil etwas anders aus, weil der Wirkstoff eine andere Achse des Immunsystems dämpft. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Pilzinfektionen der Haut und der Schleimhäute, insbesondere Candida-Infektionen im Mund, im Genitalbereich oder in Hautfalten — das hängt damit zusammen, dass IL-17A eine wichtige Rolle in der Abwehr gegen Pilze spielt. Diese Pilzinfektionen sind meist gut behandelbar mit antimykotischen Cremes oder kurzen Kursen oraler Antimykotika. Ebenfalls beschrieben wird eine Verschlechterung entzündlicher Darmerkrankungen, weshalb Cosentyx bei Patienten mit vorbestehendem Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa mit Vorsicht eingesetzt wird. Reaktivierungen einer latenten TB kommen unter IL-17-Hemmern seltener vor als unter TNF-Blockern, das TB-Screening bleibt aber trotzdem Standard vor Therapiebeginn.
Was in der Sprechstunde selten offen thematisiert wird, sind die weicheren Themen: das leichte Fremdheitsgefühl vor der ersten Selbstinjektion, die psychische Belastung durch das Bewusstsein, ein stark wirksames Medikament dauerhaft zu nehmen, die Frage nach Auswirkungen auf eine spätere Familienplanung, die Unsicherheit über die Langzeitfolgen einer mehrjährigen Immunmodulation. Diese Themen gehören in ein offenes Vorgespräch, auch wenn sie nicht in der Fachinformation stehen. Wenn Dein Dermatologe dafür keinen Raum lässt, ist eine Zweitmeinung bei einer spezialisierten HS-Sprechstunde eine sinnvolle Investition.
Was Biologika kosten und wer sie bezahlt
Zwischen Listenpreis, Rabattverträgen, Biosimilars und der einfachen Antwort für Dich als Patient
Die Kostenfrage rund um Biologika ist auf zwei Ebenen interessant — einmal aus der Perspektive des Gesundheitssystems und einmal aus Deiner persönlichen Perspektive. Für Dich als gesetzlich Versicherten in Deutschland ist die kurze Antwort: Du zahlst außer der Rezeptgebühr von zehn Euro nichts. Sobald die Zulassungsindikation erfüllt ist und Dein Dermatologe die Kostenübernahme bei Deiner Krankenkasse angestoßen hat, übernimmt die Kasse den vollständigen Preis der Therapie über die gesamte Behandlungsdauer.
Aus Sicht des Gesundheitssystems ist die Zahl weniger unspektakulär. Der Listenpreis einer Jahrestherapie mit dem Originalpräparat Humira lag über Jahre bei rund 22.000 Euro. Seit dem Auslaufen des Patents und dem Markteintritt der Biosimilars — also biotechnologisch hergestellter Nachfolgepräparate anderer Hersteller mit gleichem Wirkstoff und gleicher Wirkung — sind die effektiven Preise über Rabattverträge deutlich gesunken, in der Größenordnung von 40 bis 60 Prozent gegenüber dem alten Originalpreis. Für die Kostenklärung mit Deiner Kasse spielt das für Dich keine Rolle, aber es erklärt, warum die Bereitschaft der Kassen, Biologika bei entsprechender Indikation zu übernehmen, in den letzten Jahren gestiegen ist. Cosentyx ist derzeit noch patentgeschützt und liegt in der Größenordnung der ursprünglichen Humira-Preise.
Für Privatversicherte gelten grundsätzlich die gleichen Regeln, allerdings müssen sie in Vorleistung gehen und die Kosten anschließend mit ihrer Versicherung abrechnen. Bei sehr teuren Präparaten ist das ein nennenswertes Zwischenfinanzierungsproblem, das man mit der Versicherung vor Therapiebeginn klären sollte. Beihilfeberechtigte kombinieren üblicherweise die Beihilfe des Dienstherrn mit einer privaten Zusatzversicherung; auch hier ist die Vorleistung zu bedenken.
Selbstzahlerlogik spielt bei Biologika für HS in Deutschland praktisch keine Rolle, weil die Preise die typische Zahlungsbereitschaft privater Anwender bei weitem übersteigen und weil es keinen Grund gibt, sich als gesetzlich Versicherter selbst um die Kosten zu kümmern. Wenn Dir jemand einen vermeintlichen Biologika-Zugang außerhalb der Regelversorgung anbietet — etwa über internationale Online-Apotheken oder Import-Programme —, ist das nicht nur teuer, sondern potenziell gefährlich, weil die Kühlkette und die Herkunft nicht mit der gleichen Sorgfalt wie im deutschen Regelvertrieb gesichert werden.
Meine Erfahrung mit Secukinumab und der geplante Wechsel zu Adalimumab
Warum ich Cosentyx angefangen und wieder abgesetzt habe und warum die Humira-Therapie kurz vor dem Start nicht mehr zustande kam
Bis hierhin habe ich versucht, die medizinische Landkarte so nüchtern wie möglich zu zeichnen. Für dieses Kapitel wechsle ich in die erste Person und erzähle Dir meinen eigenen Weg mit den beiden Substanzen, weil dieser Weg einer der wichtigsten Gründe ist, warum ich diese Seite überhaupt schreibe. Ich schreibe ihn in dem Bewusstsein, dass meine Erfahrung nur meine ist und dass Du aus ihr keine Handlungsanweisung für Deinen eigenen Fall ableiten solltest — Du sollst aber verstehen, wo diese Seite ihre Perspektive her hat, damit Du selbst einschätzen kannst, was Du aus ihr für Dich mitnimmst.
Meine Cosentyx-Therapie hat mit einer Empfehlung meines behandelnden Dermatologen begonnen, nachdem die klassischen Wege ausgereizt waren. Antibiotika hatten wiederholt geholfen, aber immer nur für wenige Wochen. Die operativen Sanierungen der Fistelbereiche hatten Ruhe gebracht, aber neue Läsionen waren jeweils an anderer Stelle wieder aufgetreten. In dieser Situation war die Empfehlung für ein Biologikum konsequent, und ich habe mich nach den üblichen Screening-Runden für Cosentyx entschieden — teils aus praktischen Gründen wegen des längeren Dosierungsintervalls, teils weil der Wirkstoff neu zugelassen war und ich mir davon eine besonders präzise Wirkung erhoffte.
Die Aufsättigungsphase habe ich diszipliniert durchgezogen, die fünf wöchentlichen Injektionen zuhause selbst gesetzt, den Kühlschrank-Transport bei kleineren Reisen genau geplant. Nach der Aufsättigungsphase begann die Erhaltungstherapie mit einer Injektion alle vier Wochen. Und dann passierte über die nächsten Monate — mit Verlaub gesagt — genau gar nichts. Kein spürbar geringerer Schub-Rhythmus, kein spürbar geringerer Ruheschmerz, kein sichtbares Einschmelzen der Fisteln, keine messbar reduzierte Sekretion. Ich habe versucht, das Muster mit einem Tagebuch objektiv abzugleichen, damit ich nicht nur nach subjektivem Gefühl entscheide. Das Muster war klar: Ich war Non-Responder. Bei mir, wohlgemerkt — im gleichen Zeitraum haben andere Betroffene in Online-Foren berichtet, dass Cosentyx bei ihnen den entscheidenden Durchbruch gebracht hat.
Nach dieser Erkenntnis war der nächste logische Schritt der Wechsel auf Humira, also auf einen Wirkstoff mit einer anderen molekularen Angriffsstelle. Mein Dermatologe hatte die Verordnung vorbereitet, die Kostenübernahme lief, die Vor-Untersuchungen waren aktuell — der Startzeitpunkt für die Adalimumab-Aufsättigung war innerhalb weniger Wochen erreichbar. Und genau in diesem Fenster kam es zu Unstimmigkeiten in der Behandlungslinie zwischen meinem niedergelassenen Dermatologen und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, das mich parallel betreut hatte. Ich möchte die Details dieser Unstimmigkeiten hier nicht ausbreiten, weil sie zum großen Teil die Personen und die Kommunikation betrafen und nicht mein Krankheitsbild — aber das Ergebnis war, dass die geplante Humira-Therapie am vereinbarten Termin nicht mehr angetreten wurde.
In diesem Moment stand ich vor einer Entscheidung, die ich nicht erwartet hatte. Die einfache Antwort wäre gewesen, den Streit zwischen Praxis und Klinik zu klären, einen neuen Termin zu finden und mit dem ursprünglich geplanten Wechsel weiterzumachen. Die Antwort, die ich mir stattdessen gegeben habe, war eine andere. Weil ich weder unter Cosentyx noch in der Zeit ohne Biologikum irgendeinen messbaren Unterschied in meinem Krankheitsverlauf sehen konnte, weil ich in dieser Phase parallel angefangen hatte, meine Ernährung sehr konsequent umzustellen und Rotlicht als Wundheilungswerkzeug zu integrieren, und weil ich die realistische Vorstellung von den Wirkstoffen mittlerweile deutlich schärfer hatte als zum Zeitpunkt des ersten Rezepts, habe ich mich bewusst gegen die Fortsetzung entschieden. Nicht aus grundsätzlicher Ablehnung von Biologika, sondern aus der sehr konkreten Erfahrung, dass sie in meinem persönlichen Fall keinen Unterschied gemacht hatten, und aus der Nichtbereitschaft, mir ein Medikament dieser Wirkstärke zuzuführen, wenn ich keinen entsprechenden Nutzen dafür sehe.
Diese Entscheidung war keine schnelle, und sie war nicht frei von Zweifeln. Ich habe sie mir mehrfach gegengeprüft und in Beratungsgesprächen mit spezialisierten Kolleginnen und Kollegen abgesichert. Das wichtigste Argument dagegen war jedes Mal das gleiche: Wer einmal Non-Responder auf einen bestimmten Wirkstoff ist, kann sehr wohl auf einen anderen ansprechen — die Chance, sich mit dem Verzicht auf den Wechsel eine mögliche Besserung entgehen zu lassen, ist real. Das wichtigste Argument dafür war die schlichte Beobachtung, dass mein eigener Weg ohne Biologikum unter deutlicher Ernährungsdisziplin und begleitender Rotlichttherapie zu einer Verlaufsbesserung führte, die ich vorher unter aktivem Cosentyx nicht gesehen hatte. Neun Monate später bin ich in vollständiger Remission — ohne Biologikum, ohne Antibiotikum, ohne systemische Immunmodulation.
Warum es Non-Responder gibt
Zwischen genetischer Heterogenität, unterschiedlichen Entzündungsphänotypen und der einfachen Wahrheit, dass Akne Inversa keine einheitliche Erkrankung ist
Die Frage, warum ein Teil der Betroffenen auf einen bestimmten Biologika-Wirkstoff nicht anspricht, ist eine der zentralen offenen Fragen der HS-Forschung — und gleichzeitig eine, deren Antwort für Deinen Umgang mit der Diagnose Non-Responder wichtig ist, weil sie erklärt, warum das nicht Deine persönliche Schuld ist, sondern eine biologische Realität. Der wichtigste erklärende Rahmen dafür ist die Erkenntnis, dass Akne Inversa keine einheitliche Erkrankung ist, sondern eine Sammelbezeichnung für sehr unterschiedliche Entzündungsphänotypen, die klinisch ähnlich aussehen, aber molekular unterschiedlich funktionieren.
Bei einigen Betroffenen dominiert der TNF-Alpha-Weg im Entzündungssystem — bei ihnen wirkt Humira mit hoher Wahrscheinlichkeit gut. Bei anderen dominiert die IL-17-Achse — bei ihnen ist Cosentyx die bessere Wahl. Bei einer dritten Gruppe spielen andere Signalwege eine Rolle, zum Beispiel die IL-1-Familie oder Th22-vermittelte Reaktionen, für die aktuell keine speziell zugelassenen Biologika zur Verfügung stehen. Diese molekulare Heterogenität wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich zu differenzierten Testverfahren führen, mit denen sich vor Therapiebeginn abschätzen lässt, welche Wirkstoffklasse für Deinen individuellen Fall am aussichtsreichsten ist. Stand 2026 gibt es solche Vorhersagetests aber noch nicht in der Regelversorgung — die Entscheidung Humira oder Cosentyx wird weiterhin klinisch getroffen und im Zweifel durch Ausprobieren geklärt.
Neben der molekularen Heterogenität spielt eine zweite Ebene eine Rolle: die Bedeutung der sogenannten Trigger-Faktoren, die die Entzündungsdynamik jenseits der reinen Signalwege beeinflussen. Rauchen, Übergewicht, hormonelle Schwankungen, bestimmte Ernährungsmuster und mechanischer Reiz durch enge Kleidung sind bei einem großen Teil der Betroffenen relevant. Wenn diese Trigger unbeachtet weiterlaufen, während gleichzeitig ein Biologikum die Entzündung an einer bestimmten Stelle bremst, kann die Erkrankung an anderer Stelle immer wieder neu aufflammen. Das ist einer der Gründe, warum die modernen HS-Leitlinien Biologika ausdrücklich nicht als Monotherapie, sondern als eingebettet in ein multimodales Konzept mit Lebensstilanpassung, Wundmanagement und gegebenenfalls chirurgischer Sanierung sehen.
Bei mir persönlich vermute ich rückblickend, dass beide Ebenen zu meinem Non-Responder-Status auf Cosentyx beigetragen haben. Erstens spielt die IL-17-Achse in meinem individuellen Entzündungsmuster möglicherweise eine kleinere Rolle als in den Studienkollektiven mit gemitteltem Ansprechen. Zweitens habe ich in der Phase unter Cosentyx meine Trigger-Faktoren noch nicht so konsequent adressiert wie in der Phase danach. Die kombinierte Umstellung von Ernährung, Wundheilungspflege, Stressregulation und gezielter Rotlichtanwendung hat bei mir eine Wirkung entfaltet, die das Medikament allein bei mir nicht hätte erreichen können — auch das ist eine sehr individuelle Beobachtung, die für andere Betroffene ganz anders aussehen kann.
Was ich stattdessen mache
Ernährung, Rotlicht und die anderen Bausteine, die bei mir das ausmachen, was die Biologika nicht gemacht haben
Wenn ich Dir erzähle, dass ich heute keine Biologika mehr nehme, ist der nächste sinnvolle Satz eine ehrliche Beschreibung dessen, was stattdessen mein Alltag ist. Das ist wichtig, weil der Verzicht auf ein wirksames Medikament allein nichts bewirkt — er muss durch etwas anderes aufgefüllt werden, das die Krankheitsdynamik an anderer Stelle beruhigt. Bei mir sind das im Wesentlichen fünf Bausteine, die ich hier so kurz wie möglich anreiße, weil jeder von ihnen eine eigene Seite auf akne-inversa-hilfe.de hat, auf der Du in die Tiefe gehen kannst.
Der erste und mit Abstand wichtigste Baustein ist eine konsequente Ernährungsumstellung. Bei mir waren es vor allem Milchprodukte, industrielle Zuckerprodukte und stark verarbeitete Getreideprodukte, deren Weglassen zu einer deutlichen Beruhigung der Entzündungsdynamik geführt hat. Ich habe die Trigger nicht geraten, sondern über ein systematisches Weglass-Protokoll — eine sogenannte Eliminationsphase — mit anschließender Wiedereinführung einzelner Lebensmittelgruppen identifiziert. Das dauert einige Wochen, braucht Disziplin und Dokumentation, ist aber im Ergebnis das Werkzeug mit dem größten Hebel.
Der zweite Baustein ist die begleitende Rotlichttherapie zur Wundheilungsunterstützung. Ich habe dafür ein häusliches Rotlicht-Panel in medizinischer Qualität mit Wellenlängen im Bereich von 630 bis 850 Nanometern angeschafft und wende es täglich für 15 bis 20 Minuten auf den betroffenen Arealen an. Rotlicht behandelt nicht die Ursache der Erkrankung, aber es beschleunigt das Abheilen bestehender Wunden, dämpft die lokale Entzündungsreaktion und wird von einer wachsenden Zahl kleinerer Studien für chronische Wunden und Hauterkrankungen als wirksam bestätigt.
Der dritte Baustein ist der komplette Rauchstopp. Bei mir war das zwar keine besonders schwierige Umstellung, weil ich schon vorher eher unregelmäßig geraucht hatte, aber die Datenlage ist bei HS eindeutig: Rauchen ist einer der stärksten modifizierbaren Trigger und ein konsequenter Rauchstopp ist bei einem Großteil der Betroffenen mehr wert als jedes Medikament. Wer diese Ebene ignoriert, während er gleichzeitig ein Biologikum nimmt, arbeitet gegen sich selbst.
Der vierte Baustein ist eine strukturierte Stressregulation, weil chronische Stressbelastung die Entzündungsdynamik über die HPA-Achse messbar verstärkt. Das ist bei mir eine Kombination aus Bewegungstherapie, konsequenten Schlafenszeiten und einer regelmäßigen meditativen Praxis. Der fünfte Baustein ist die begleitende Supplementierung mit Zink, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren, für die es bei chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen eine wissenschaftlich zunehmend solide Grundlage gibt und die ich in individueller Dosierung mit meinem Hausarzt abgestimmt habe.
Dieses Fünf-Bausteine-Konzept ist bei mir das, was die Rolle eines Biologikums übernommen hat — nicht als schnellere oder stärkere Alternative, sondern als anders wirkender Weg, der bei meiner individuellen Krankheitsdynamik funktioniert. Ich bin damit seit Anfang 2025 in einer Remission, die mich selbst überrascht hat, und die stabil geblieben ist, solange ich das Konzept konsequent lebe. Wenn Du diesen Weg für Dich prüfen möchtest, findest Du eine ausführliche Anleitung unter Akne Inversa ohne OP und im detaillierten Akne-Inversa-Protokoll.
Wann Biologika trotzdem der richtige Weg sind
Kein Anti-Text — für welche Konstellationen die Systemtherapie mit Adalimumab oder Secukinumab wirklich lebensrettend sein kann
Weil das vorherige Kapitel den Eindruck erwecken könnte, ich hielte Biologika generell für den falschen Weg, will ich hier ausdrücklich das Gegenteil festhalten. Für einen substantiellen Teil der HS-Betroffenen sind Humira oder Cosentyx die entscheidende Wende in einer sonst kaum kontrollierbaren Erkrankung. Wenn Du zu einer der folgenden Konstellationen gehörst, ist eine sorgfältig geführte Biologika-Therapie wahrscheinlich das medizinisch sinnvollere Vorgehen als der Verzicht.
Die erste Konstellation ist die schwere aktive Erkrankung mit multiplen Fisteln, hoher Schubfrequenz und deutlichem Verlust an Lebensqualität, in der die klassischen Bausteine — Antibiotika, Lokaltherapie, Chirurgie — nicht mehr ausreichend greifen. In dieser Situation ist die Zeit ein wesentlicher Faktor, weil jede zusätzliche Entzündungsphase strukturelle Vernarbung im Gewebe hinterlässt, die später nicht mehr rückgängig zu machen ist. Eine wirksame Systemtherapie kann hier die Vernarbungskaskade stoppen, bevor sie irreversibel wird.
Die zweite Konstellation ist die schnelle Krankheitsprogression bei jüngeren Betroffenen, insbesondere zwischen 18 und 30, bei denen sich innerhalb weniger Jahre ein Hurley-III-Bild entwickelt. In dieser Altersgruppe hat die zeitige Immunmodulation einen besonderen Wert, weil sie das Krankheitsniveau auf eine Ebene bringen kann, auf der die späteren Jahrzehnte wieder gestaltbar sind. Bei jungen Betroffenen mit hoher Krankheitsdynamik ist der Verzicht auf ein Biologikum eine Entscheidung mit langen Folgekosten.
Die dritte Konstellation ist die begleitende Erkrankung mit sichtbarer TNF- oder IL-17-Beteiligung, zum Beispiel eine gleichzeitig bestehende schwere Schuppenflechte, eine Psoriasis-Arthritis oder ein Morbus Bechterew. In diesen Fällen wirkt ein Biologikum an mehreren Stellen gleichzeitig, und der medizinische Nutzen ist entsprechend hoch. Wer sich in einer solchen Konstellation gegen die Systemtherapie entscheidet, verliert nicht nur die Wirkung auf HS, sondern gleichzeitig die auf die zweite Erkrankung.
Die vierte Konstellation ist der Fall, in dem alle nicht-medikamentösen Bausteine — Ernährung, Rauchstopp, Lebensstil, konsequente Wundpflege — bereits erschöpfend umgesetzt wurden und trotzdem keine relevante Besserung erreicht wird. Wer über sechs bis zwölf Monate diszipliniert an diesen Ebenen gearbeitet hat und weiterhin unter aktiven Schüben leidet, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Krankheitsphänotyp, der eine gezielte immunmodulierende Therapie braucht — und in diesem Fall ist die Entscheidung für Humira oder Cosentyx keine Aufgabe des eigenen Weges, sondern seine sinnvolle Ergänzung.
Der Weg zur Verschreibung
Welcher Arzt, welche Voraussetzungen, welche Fragen — wie Du strukturiert in die Sprechstunde gehst
Wenn Du nach diesen Kapiteln zu dem Schluss kommst, dass ein Biologikum für Deinen individuellen Fall die richtige Option sein könnte, ist der nächste Schritt der Weg zum verordnenden Arzt. Für die Verordnung von Humira oder Cosentyx bei Akne Inversa ist grundsätzlich jeder in Deutschland niedergelassene oder klinisch tätige Facharzt für Dermatologie berechtigt. In der Praxis lohnt sich die Auswahl eines Dermatologen oder einer Dermatologin mit expliziter Erfahrung in HS-Systemtherapie, weil die Feinjustierung — Dosierung, Nebenwirkungsmanagement, Wechselstrategie zwischen den Präparaten — mit Erfahrung deutlich besser läuft als bei jemandem, der nur wenige HS-Fälle im Jahr begleitet.
Spezialisierte HS-Sprechstunden gibt es an vielen Universitätsklinika, an großen dermatologischen Kliniken und in einigen fachlich orientierten Praxen. Eine Liste zusammen mit Adressen und den wichtigsten Anlaufstellen findest Du auf der Seite Welcher Arzt bei Akne Inversa. Wenn Du bereits in Behandlung bist, aber Zweifel an der aktuellen Therapiestrategie hast, ist eine Zweitmeinung in einer solchen HS-Sprechstunde eine sinnvolle Investition — sie kostet Dich außer Zeit nichts, weil sie über Deine gesetzliche Krankenkasse abgerechnet wird.
Für das erste Gespräch zur Biologika-Option lohnt sich eine vorbereitete Liste an Fragen, weil die Sprechstunden-Zeit knapp ist und die Entscheidungslage komplex. Zu den sinnvollen Fragen gehören: welche Kriterien führen bei mir konkret zur Empfehlung von Biologika, welche konventionellen Wege habe ich noch nicht ausgeschöpft, welche Vor-Untersuchungen sind bei mir individuell nötig, welches Präparat empfehlen Sie als Erstwahl und warum, welche Nebenwirkungen sind in meiner konkreten Konstellation wahrscheinlicher, wie sieht der Plan bei Non-Response nach zwölf bis sechzehn Wochen aus, welche Rolle spielen begleitende Maßnahmen wie Ernährung und Wundpflege in Ihrem Konzept, wie lange soll die Therapie im Erfolgsfall fortgeführt werden.
Wichtig ist, dass Du in dieses Gespräch nicht als passiver Empfänger gehst, sondern als informierter Partner in einer Entscheidung, die Dich unmittelbar betrifft. Ein guter Dermatologe wird diese aktive Rolle nicht nur akzeptieren, sondern begrüßen. Wenn Du das Gefühl hast, Deine Fragen werden als lästig empfunden oder Du wirst zu einer Entscheidung gedrängt, für die Du noch nicht bereit bist, ist das ein legitimer Grund, eine zweite Meinung einzuholen. Deine Erkrankung wird Dich Jahrzehnte begleiten — die Entscheidung darüber, wie Du sie behandelst, darf Zeit brauchen.
Wenn Du weiterlesen willst
Zusammenhängende Themen rund um Therapie und Lebensweg bei Akne Inversa
- Alle Behandlungswege im Überblick — die vollständige Karte der Optionen von Antibiotika über Chirurgie bis zu Biologika, damit Du den Ort dieser Seite im Gesamtsystem verstehst.
- Akne Inversa ohne OP — mein persönlicher Weg mit Ernährung, Rotlicht, Rauchstopp und Supplements, der bei mir das gemacht hat, was die Biologika nicht gemacht haben.
- Ernährung bei Akne Inversa — die Trigger-Landkarte und das Eliminationsprotokoll, mit dem ich die für mich relevanten Nahrungsmitteltrigger identifiziert habe.
- Rotlichttherapie bei HS — welche Wellenlängen, welche Panels, welche Anwendungsdauer für die Wundheilungsunterstützung relevant ist.
- Welcher Arzt bei Akne Inversa — spezialisierte HS-Sprechstunden, Zweitmeinungen und die Auswahl eines Dermatologen mit Systemtherapie-Erfahrung.
- Hurley-Stadien — die klinische Einordnung, die im Sprechstundengespräch über die Indikation für Biologika mit entscheidet.
- Meine Geschichte — der vollständige Erfahrungsbericht, in den die Cosentyx-Phase und der ausgesetzte Humira-Start eingebettet sind.
Zum Schluss
Biologika sind ein Werkzeug — nicht das Werkzeug und nicht das falsche Werkzeug
Der wichtigste Satz, den ich Dir zu dieser Seite mitgeben möchte, ist dieser: Humira und Cosentyx sind ernstzunehmende, gut untersuchte und für einen substanziellen Teil der HS-Betroffenen wirksame Medikamente. Sie sind kein Wundermittel, sie sind kein Teufelszeug, sie sind Werkzeuge mit einem klar beschriebenen Nutzenprofil und einem klar beschriebenen Grenznutzen. Ob sie für Dich das richtige Werkzeug sind, hängt von Deiner individuellen Krankheitsdynamik, von Deinen Begleiterkrankungen, von Deiner Bereitschaft zur Immunmodulation und von der Frage ab, wie konsequent Du parallel an den nicht-medikamentösen Bausteinen arbeitest.
Wenn Du zu dem Schluss kommst, dass Biologika Dein Weg sind, gehe ihn informiert und mit einer realistischen Erwartungshaltung — nicht mit der Erwartung der symptomfreien Heilung, sondern mit der Erwartung einer deutlichen Beruhigung der Krankheitsdynamik, in Kombination mit weiteren Bausteinen, die die verbleibenden Trigger adressieren. Wenn Du zu dem Schluss kommst, dass sie es nicht sind, gehe diesen Weg nicht aus einer Grundhaltung gegen die moderne Medizin, sondern aus der informierten Entscheidung, dass in Deiner individuellen Konstellation ein anderer Weg mehr Sinn macht — und investiere dann die Energie, die Du sonst in die Injektionen investiert hättest, in die konsequente Umsetzung dieses anderen Weges.
Meine eigene Geschichte mit Cosentyx und der ausgesetzten Humira-Therapie ist eine sehr persönliche Sequenz, die keinen Anspruch auf Übertragbarkeit hat. Was übertragbar ist, ist die Haltung dahinter: die Bereitschaft, eine große medizinische Entscheidung nach den eigenen Beobachtungen und nicht nach der Erwartung anderer zu treffen, sich für die getroffene Entscheidung zu verantworten und den Weg, den man sich gewählt hat, dann auch konsequent zu gehen. In dieser Haltung wünsche ich Dir für Deine Entscheidung — welche es auch werden mag — Klarheit und Ruhe. Und die Erinnerung daran, dass Du mit dieser Erkrankung nicht allein bist.
